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Matthias Messer: Ein Jahr am Georgia Institute of Technology Drucken E-Mail

Ein Jahr in der „neuen Welt“ –
Ein Jahr unvergesslicher Erfahrungen und prägender Eindrücke –
Ein Jahr ungeahnter Fülle und persönlicher Weiterentwicklung –
Ein Jahr des Austausches und der Verständigung –
Ein Jahr ermöglicht durch das beeindruckende Engagement der Mitglieder des Verbandes der Deutsch-Amerikanischen Clubs

Georgia, gelegen zwischen hyperaktivem New York und gemächlichem Louisiana, vereint auf einzigartige Weise das Beste beider widersprüchlich erscheinender Welten und besticht unter anderem durch das Erbe der Kolonialzeit, die beeindruckende Vielfalt der Natur und die unbeschreibliche Gastfreundschaft des „alten Süden“. Nahezu die Hälfte der Bevölkerung Georgias lebt in Atlanta, das trotz üblicher amerikanischer Großstadtprobleme den glänzenden weltoffenen Mittelpunkt des neuen Südosten der Vereinigten Staaten verkörpert. Gegründet als Eisenbahnkreuzung im Jahre 1837, schaffte Atlanta den Aufstieg als Zentrum der Künste, Sport und Bildung. Eine Vielzahl global agierender Unternehmen (darunter 5 Fortune 100 Unternehmen) machen Atlanta zum wirtschaftlichen Mittelpunkt des amerikanischen Südens. Das Georgia Institute of Technology (Georgia Tech) ist eine von vielen Universitäten und Colleges in Atlanta. Die Eröffnung von Georgia Tech im Jahre 1888 kennzeichnet den Beginn ingenieurwissenschaftlicher Bildung im damals landwirtschaftlich geprägten Süden. Georgia Tech ist heute eine der besten technischen Universitäten der Vereinigten Staaten.

In bekannten Universitäts-Rankings liegt Georgia Tech jedes Jahr unter den „top 5 engineering schools“, aber auch unter den „3 worst party schools“ oder den „top 10 most hated schools by its own students“. Obwohl der Studienbeginn durch Missverständnisse und Komplikationen geprägt war, haben sich anfängliche Probleme nach einiger Zeit lösen lassen und sich durch den Erhalt eines „Research Assistantship“ bessere Studienbedingungen als jemals gedacht ergeben. Im Vergleich zu mir bekannten deutschen Verhältnissen standen mir somit zur Bearbeitung meiner „Master Thesis“ (bzw. Diplomarbeit) im Fachbereich Maschinenbau unerwartet viel Eigenverantwortung und finanzielle Mittel zur Verfügung. Das an der Universität vorherrschende internationale Umfeld und die Vielseitigkeit des Studienangebotes lassen den „Alltag“ zusätzlich interessant und abwechslungsreich werden. Positiv überraschten mich darüber hinaus die den Studenten gegeben Möglichkeiten auf dem Campus und der enge Zusammenhalt der „Campusgemeinde“ an sich. Die Einbindung und rege Teilnahme am Campusleben von Georgia Tech führte zu vielen neuen Kontakten, Freundschaften und ungemeinen Bereicherung des Studienalltags. Besonders der Besuch der vielzähligen Sportereignisse (Georgia Tech Yellow Jackets), aber vor allem die Aufnahme in die Georgia Tech Tennis Mannschaft und die aktive Teilnahme in anderen „amerikanischen“ Mannschaftssportarten ermöglichten das Kennenlernen und Teilhaben eines aus meiner Sicht wichtigen Bestandteiles der amerikanischen Lebensweise.


Georgia Tech Tower


Tech Square

Bürokratische Hürden kennzeichnen nicht nur die Visavergabe und Universitätsverwaltung, sondern auch den (besonders durch unermesslich lange Wartezeiten) „steinigen“ Weg zum ersehnten amerikanischen Führerschein. Die Beamten der Führerscheinbehörde versuchen dies aber durch die meist wenige Minuten dauernden Führerscheinprüfungen zu entschädigen. Der Ruf Atlantas als die vom Automobil am meisten abhängige Stadt auf Erden ist berechtigt. Trotz erster Anzeichen öffentlicher Verkehrsmittel scheint mit dem Besitz eines Automobils das Leben in Atlanta erst richtig zu beginnen. Das vielfältige Angebot an kulturellen Einrichtungen (Woodruff-Art-Center, Fernbank Museum, „Carter Center and Presidential Library“, „Martin Luther King Jr. National Historic Site“, „Fox-Theater“ (Atlantas Broadway), Jazz-Clubs, ...), Restaurants und Bars, Clubs und Lounges, Sportevents (Atlanta Braves, Falcons (NFL), Hawks (NBA), Trashers (NHL) – mal ganz abgesehen von den Georgia Tech Yellow Jackets) sowie Konzerten (von open air Konzerten des Atlanta-Symphony- Orchestra im inmitten der Stadt gelegenen Piedmont Park über Pop/Rock/...-Konzerte in der multifunktionalen Phillips-Arena) ist nun in der für das Automobil ausgelegten Stadt in greifbarer Nähe. Glücklicherweise wird man durch das Engagement von Dr. Parker, der ehrenamtlich für den World-Student-Fund tätig ist, nicht nur über kulturelle Veranstaltungen auf dem Laufenden gehalten, sondern erhält zu vielen Events auch freien Eintritt.

Trotz der vielzähligen kulturellen Einrichtungen, den Universitäten inmitten der Stadt und dem noch sichtbaren positiven Effekt der olympischen Sommerspiele von 1996 leidet Atlanta in vielerlei Hinsicht unter amerikanischen Großstadtproblemen. Besonders der krasse Unterschied zwischen wohlhabendem Norden und verarmten Süden der Stadt ist allgegenwärtig. Atlanta, Zentrum des „civil rights movement" und gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in den vorherrschend religiös-konservativen Südstaaten, hat sich aus meiner Erfahrung zur weltoffenen Metropole der Suedstaaten entwickelt, obwohl sich das Nachtleben größtenteils noch getrennt abzuspielen scheint. Überraschenderweise sind zudem Zeichen des lange verjährten Buergerkrieges nicht nur an vielen Orten sichtbar, Klischees von „Nord“ und „Süd“ sind bei erstaunlich vielen „Einheimischen“ anscheinend noch allgegenwärtig und werden in Gesprächen gerne gepflegt. Kennzeichnend ist zudem auch der große Einfluss mexikanischer Einwanderer, der sich nicht nur in ausgezeichneten mexikanischen Restaurants niederschlägt – Spanisch scheint zur zweiten Amtssprache geworden zu sein.


Atlanta


Piedmont Park im Herzen Atlantas

Neben den Vorzügen der Großstadt macht besonders die Nähe zur Ostküste und den Stränden Floridas Atlanta zum vielseitigen Studienort und ausgezeichneten Ausgangspunkt verschiedener Roadtrips, beispielsweise nach Key West (bzw. Florida im Allgemeinen), Savannah, Charleston, Hilton Head Island oder dem im letzten Jahr noch lebenslustigen Mardi Gras in New Orleans. Die unmittelbare Nachbarschaft eines der größten Flughäfen der Welt ermöglicht zudem unproblematische und zumeist kostengünstige Verbindungen innerhalb der U.S.A.. Sei es der Besuch einer amerikanischen Hochzeit in Albuquerque, die Teilnahme an einem familiären amerikanischen Thanksgiving in Minneapolis, Neujahr in New York City oder die einzigartige Küstenstrasse Highway 1 bzw. 101 von San Diego nach San Francisco, das Kennenlernen und Erleben der Vielfalt der Vereinigten Staaten von Amerika ist wenn überhaupt nur durch das immense Arbeitspensum des Studiums bzw. finanzielle Mittel beschränkt. Die erfahrene Gastfreundschaft (selbst bei gerade erst geschlossenen Freundschaften) und Verschieden- als auch Einzigartigkeit der Vereinigten Staaten sucht Seinesgleichen und macht Lust auf mehr.

Zum Teil unerwartet aber besonders interessant zu erleben ist die durch äußere Randbedingungen und historische Gegebenheiten anzutreffende Vielfalt und Reichhaltigkeit der amerikanischen Kultur. Die durch studienbedingte, sportliche, soziale oder kulturelle Aktivitäten, das Leben in international geprägten Wohngemeinschaften und Reisen gewonnenen Freundschaften und einmaligen unvergesslichen Eindrücke in den Vereinigten Staaten von Amerika haben und werden mein Leben nachhaltig prägen und bereichern. Ohne die Hilfe des Verbandes Deutsch-Amerikanischer Clubs und den beeindruckenden persönlichen Einsatz seiner Mitglieder wäre dies nicht möglich gewesen. Herzlichst bedanke ich mich für Ihr einzigartiges Engagement. Ich hoffe, dem Verband verbunden zu bleiben und seine Ziele weiterhin aktiv unterstützen zu können. Vielen herzlichen Dank!

Matthias Messer

Letzte Aktualisierung ( 13.11.2005 )